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Bachelorarbeit 

by Leo Brecht

Prüfer: Prof. Peter von Maydell & Prof. Beat Brogle

"Analyse und Produktion eines Musikvideos im Stil der koreanischen Popmusik "K-POP""

Pre-Produktion

Nach der Fertigstellung der Stabliste ging es für mich zum Teil der produktionellen Arbeit, mit der ich selber noch recht wenig vertraut war, wie z.B. der Kontaktnahme von Gemeinden etc für die Beschaffung von Drehgenehmigungen, aber auch den Kontakt zu Theatern etc um Requisiten zu bekommen. Dies war mit die größte und Zeitintensivste Arbeit. Für die Requisiten habe ich mir diverse Maritime Gegenstände und Möbel vorgestellt. Daher war mein erster Schritt auch hier im Internet nach Inspiration zu schauen. In meine Suche kam ich dann auf folgende Dinge: Taue, Kisten, Fässer, Segel, Kaffeesäcke, Netze, ein Steuerrad, Musketen, Säbel. Um diese nicht irgendwo zu bestellen, habe ich mich daraufhin bei Theatern in Bremen gemeldet und bin bei der Shakespear Company und dem Theater Bremen schließlich fündig geworden. Von der Shakespear Company habe ich diverse Taue, eine große Kiste, ein Modell Schiff, Jutesäcke, ein Netz und ein Steuerrad bekommen. Vom Theater hingegen haben wir uns mehr Taue, Becher, Musketen und ein Machete ausgeliehen. Zu meiner Überraschungen waren diese super offen auf die Anfrage und hilfsbereit. Von dem Regionalen Kaffeerösterei Lloyd Kaffee haben wir auch noch ein paar Jutesäcke bekommen. 

Zusätzlich besorgte ich kleinere Requisiten wie ein Schädel, Krug und ein Glas, welches ich mit Wachs übergossen bzw. zu Kerzenständern umfunktioniert habe. Genauso wie ein Paar Münzen, eine weitere Pistole, kleinere Schatzkisten, Muscheln und ein Wachssiegel mit einem Totenkopf drauf. Was ich ebenfalls selbst angefertigt habe sind die Papiere für die Schatzkarten, diese habe ich zerrissen und in einer Mischung aus Kaffee und Tee für 2 Tage einweichen lassen, damit diese die Farbe des Kaffees und des Tees annehmen. Es hat nur ein paar Anläufe gebraucht, bis ich das perfekte Papier gefunden habe und eine gute Mischung aus Tee und Kaffee.

Die finalen gefärbten Papiere habe ich dann mit einer Vorlage einer Kollegin gegeben, die sehr talentiert im Zeichnen ist, um diese in eine Schatzkarte zu verwandeln. Ein paar kleinere Papiere habe ich eingerollt und mit dem Wachssiegel versiegelt. Da das Wachs rot ist, habe ich diesem mit einem goldenen Edding noch den letzten Schliff gegeben. 

Mein persönliches Highlight sind die Flaggen, die ich anfertigen lassen habe. Zwei davon in Schwarz mit dem aktuellen Logo der Gruppe, welches ich in Illustrator vektorisiert und nachgebaut habe. Dies habe ich dann bei einer Druckerei für Flaggen in Auftrag gegeben. Meine weiße Flagge habe ich mal zum Geburtstag bekommen. Ich hatte aus einem Musikvideo von ATEEZ die Idee, eine Kaputte Flagge anzufertigen. Dafür habe ich in einem Stoffladen ein 1.5 Meter * 1 Meter großes Stück Flagge gekauft und mit einer so Schere zerschnitten, als wäre es vom Sturm zerfetzt. Die zerfetzte und weiße Flagge haben beide selben Maße und da sie nicht gleichzeitig im Shot zu sehen sind, haben für beide einen Holzstab gekauft. Für die beiden schwarzen Flaggen habe ich jeweils einen Holzstab gekauft, welche ich ebenfalls Schwarz angesprüht habe.

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Im Zeitraum von Januar bis Februar führte ich den nächsten Schritt aus, die Locations festzulegen. Hierfür habe ich mich mit der Gemeinde der Wurster Nordseeküste, der Kurverwaltung und dem Leuchtturm-Denkmal Oberversand in Kontakt gesetzt, um nicht nur eine Drehgenehmigung zu bekommen sondern auch die Erlaubnis zum sperren des Steg zum Leuchtturmdenkmal zu bekommen. Diese waren sehr offen für meine Anfrage und haben dies ohne weiteres bestätigt. Daraufhin habe ich mich mit den Verantwortlichen für die Juliusplate in Verbindung gesetzt. Diese waren nach kurzer Rückfrage zu der Thematik des Songs und was für Flaggen wir benutzen wollen, ebenfalls ganz offen für meine Anfrage und haben auch diese sofort bestätigt. Die Halle 1 des Speichers XI A habe ich dann im Laufe des Februars auch bestätigt bekommen, welches für mich sehr wichtig war, da dies unser Main Set darstellen soll. Danach habe ich mir noch das Videostudio reservieren über den Zeitraum meines Drehs, um nicht nur Sachen zwischenzulagern, sondern auch, um dort eins unserer Solo Sets aufzubauen. Ich habe mich dann nach weiterer Planung dazu entschieden, die Halle 1 eine ganze Woche vor Drehstart zu mieten, welches eine sehr gute Entscheidung war, da wir sehr lange für den Aufbau gebraucht hatten. Dies erläutere ich später mehr.

Als nächster Punkt habe ich mich mit dem Piraten-Konzept um die Kostüme beschäftigt. Sehr schnell war für mich klar, was ich für Kostüme haben möchte. Bei Musikvideo bin ich ein großer Fan von Reflektionen auf Klamotten. Daher wollte ich, dass meine Main Tänzer jeder ein Stück Leder oder was glänzendes an sich trägt. Außerdem wollte ich zwei Outfits, ein dunkles bestehend aus einer Schwarzer Lederhose, Boots, schwarzem Oberteil, Accessoir wie Ketten etc. und mit einem roten Akzent (rotem Bandana) für das Main Set und eins mit hellen und braunen Akzenten (nur als Oberteil; die Hose und Schuhe bleiben gleich) für die outdoor Sets. Ich hab mich dafür entschieden, da es sich an Piraten Outfits, wie man sie aus Filmen kennt, orientiert. Das rote Bandana soll ein Akzent sein, welches sich durch das ganze Musikvideo zieht. Was mir ebenfalls wichtig war, dass jedes der 8 Member hier das Bandana anders trägt, damit sie nicht gleich sind z.B. am Bein, am Arm als Armbinde oder als Schmuck für den Gürtel. Genau wie es auf der schwarzen Flagge mit rotem Logo ist. Für die Backgroundtänzer habe ich mich für ein schlichtes Konzept entschieden. Da diese auch hier die die Schiffscrew darstellt, sollten dies auch in den Outfits zu sehen sein. Daher habe ich mir überlegt, dass diese sich ganz schwarz anziehen mit einer schwarzen Cargo Hose, schwarzem Oberteil und auch wieder mit dem roten Bandana. Nur dass hier jeder das Bandana gleich auf dem Kopf trägt und alle ein bisschen Schmutz im Gesicht haben, um mehr den Flair der hart schaffende Crew besser rüberzubringen.

Zwischen Dezember und Februar habe ich mich intensiv mit Analysen von Musikvideos beschäftigt, um nicht nur mehr Inspirationen zu bekommen, sondern auch um meine Idee zu festigen. Außerdem half es mir meine Idee zu finalisieren, da ich bei der Ideenfindung nur kleine Segmenter fest im Kopf hatte, wie was auszusehen hat. 

Während meiner Analyse habe ich mich nicht nur mit K-POP Musikvideo auseinandergesetzt, sondern auch mit “westlichen” Musikvideos, vor allem die Behind the Scenes Videos. 

Von einem gestalterischen Aspekt, was Konzept und die szenische Ausarbeitung angeht, unterscheiden sich K-POP Musikvideo und “westliche” Musikvideos sehr voneinander. Ich beschreibe es mal mit den Worten “In Korea traut man sich mehr”. Die Videos sind nicht nur viel bunter, sondern fühlen sich oft auch viel durchdachter an. Klar gibt es aus dem “Westen” auch viele Ausnahmen, welche sehr an K-POP Musikvideos rankommen, aber der größte Unterschied ist, dass in der K-POP Musikindustrie ein großer Wert auf die tänzerischen Fähigkeiten gelegt wird. Dies wird dann in den Musikvideo verstärkt gezeigt. Dort gibt es dann aber bei den einzelnen Gruppen Unterschiede, manche arbeiten nur mir Shots oder Choreographie manche arbeiten besonders viel mit Performance Shots (Schauspiel mit oder ohne Lipsync) bei denen dann nicht getanzt wird, sondern eher der oder die Idol in Szene gesetzt wird. Dann gibt es noch die Beautyshots, bei denen nur das Gesicht oder ein bestimmte Pose sehr in Szene gesetzt ist. Doch dann gibt es noch Arbeiten, die eine gute Mischung aus allem haben. Mein persönliches Ziel war es, die “gute Mischung” auch auf mein Musikvideo anzuwenden. Hier zwei Beispiele:

Dafür habe ich erstmal ein Dokument erstellt und habe alle Parts mit den jeweiligen Zeitangaben im Song notiert. Hierbei habe ich ebenfalls jede einzelne Textzeile der unterschiedlichen Members notiert, um mehr Gestaltungsmöglichkeiten für die Aufnahmen zu haben. Außerdem war es mir wichtig zu notieren wessen Part bei welcher Sekunde ist, ob die ein Performance Shot oder eher ein Choreo lastiger Shot ist, ob Backgroundtänzer oder die Hauptcharaktere / Tänzer gebraucht werden, ob es sogar der Chorus ist auf wem sozusagen der Fokus liegt. Hierfür habe ich den Namen des Idols abgekürzt. Außerdem noch in welcher Location dieser Shot stattfindet und ganz wichtig wie lange der geht. 
Beispiel: Zeile 7 - Szene 1.2/1 - Liestelle 00:38 - 00:53 - die Szequent dauert 15 Sekunden - es spielt in der Halle - erster Chorus Part mit allen zusammen - Fokus ist auf allen - es ist eine Nahe auf die vordere Person - es sind alle acht Maintänzer dabei - keine Backgroundtänzer - wird am zweiten Drehtag gedreht

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Wenn ich mich recht erinnere, geht der längste aufgenommene Shot nur 30 Sekunden. Am Anfang des Liedes hat man etwa 30 Sekunden, welche nur rein Instrumental von der No. 9 Symphonie sind und zusätzlich dazu noch Geräusche, welche die Arbeit am Deck darstellen sollen. Diese Zeit musste ich mit einem Shot füllen, der uns direkt in das Piraten Konzept / Piraten Szene bringt. Die Kamera verfolgt die gestrichelte Linie der Schatzkarte bis sie zum X endet und dabei werden Inselnamen und Orte angezeigt, die auf andere Liedtitel von ATEEZ hinweisen. Zusätzlich dazu, da wir uns hier auf dem “Captains Table” (Kapitänstisch)befinden, muss dieser Shot voll mit Requisiten, wie Münzen, Muscheln, noch andere Schatzkarten und vieles mehr beinhalten. Gleichzeitig muss aber auch vom Licht her die Stimmung zu den Geräuschen, die man im Hintergrund hört, passen. Hierfür habe ich mich dazu entschieden, Effekte meiner LED Lampen zu benutzen, da wir ein Kamin / offenes Feuer am Anfang hören. Wie wir das umgesetzt haben, komme ich später nochmal drauf zurück. Die allgemeine Lichtstimmung sollte in die Richtung offenes Feuer gehen, da man in sämtlichen Filmen auch immer diese “warme Feuer Stimmung” bei Nacht-Szenen sieht. Diese sollen dann Fackeln, Feuer im Allgemeinen, sämtliche Kerzen etc. widerspiegeln. Somit war für mich und mein Oberbeleuchter klar, womit gearbeitet werden muss um die Lichtstimmung zu erzeugen.

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Die Szene des Kapitänstisch sollte aber nicht nur zum Intro zu sehen sein, sondern auch als allgemeines Set für den Idol Seonghwa, welcher in der Gruppe von der Hierarchie hier als zweites kommt, man ihn somit als 1. Offizier einstufen kann. Damit wäre er ein guter Kandidat für dieses Set. Meine Idee war es, hier ihn (repräsentiert von meiner Tänzerin Solvej) mit dem Tisch interagieren zu lassen, für ein paar Performance Shots, aber auch Shots in der sie lipsynct. Da sie am Ende des Liedes auch den Kraken tötet, bekommt sie hier schon eine Pistole, um mit dieser interagieren zu können, aber auch einen Schlüssel, welcher eine Referenz zu “Fluch der Karibik” ist. Kurz darauf geht es weiter mit zwei Strophen des Idol Yunho (repräsentiert von meinem Tänzer Minh) hierfür habe ich mich dazu entschieden sogenannte “Flaggen Mood” Shots an unserer Außenlocation aufzunehmen. Diese Shots sind reine Aufnahmen, wo die Tänzer die Flagge schwingen und ein bisschen mit dieser performen. Danach kommt mein Lieblingsset, welches ebenfalls die erste feste Szenerie für mich war. Wie schon erwähnt, gibt es diese Seile, die den Idol Wooyoung von allen Seiten festhält (repräsentiert von meiner Tänzerin Liza). Darauf folgen Choreo Parts in der Main Location (die Halle). Bevor wir uns aber weiter damit beschäftigen, geht es erstmal weiter mit der Analyse.

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